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Mahnmal am Lindenufer Schon seit dem frühen Mittelalter lebten Juden in Spandau. Doch seit 1854 gab es keine Spandauer Gemeinde mehr, da diese der Nauener Kreissynagogengemeinde angeschlossen wurde. Die Spandauer Juden wollten jedoch ihre Unabhängigkeit, die sie erst nach vielen Verhandlungen bekamen. 1894 erwarben sie ein Grundstück am Lindenufer, Ecke Kammerstraße und begannen mit dem Bau einer Synagoge, die durch ihren charakteristischen Eckturm auffiel. Ein Jahr später (1895) wurde das Gebäude eingeweiht. In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde im Innenraum der Synagoge durch Benzin ein Feuer entfacht, welches die Feuerwehr auf Befehl der SS und der SA nicht gelöscht hatte. Diese Brandstiftung sorgte dafür, dass das jüdische Gotteshaus bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Nach dem Krieg ließ man die Ruine entfernen. Das Grundstück wurde später als Kohlenplatz genutzt und schließlich mit Wohnhäusern bebaut. Lange erinnerte lediglich eine Gedenktafel an die Synagoge, daher schrieb das Bezirksamt Spandau einen Wettbewerb für ein Mahnmal aus, das ca. 50m entfernt von der ehemaligen Synagoge errichtet werden sollte. Diesen Wettbewerb gewann das Architektenpaar Ruth Golan und Kay Zareh, die schon einige Bauten und Denkmäler in Berlin entworfen hatten. Für 700.000 DM errichtete man die Gedenkskulptur, die am 3. November 1989 eingeweiht wurde. Das Mahnmal besteht aus einem dunklen Granitblock, der in der Mitte von oben nach unten gespalten ist. Aus dem Riss führt eine kleine, rote Ziegelsteinmauer ins Gras, wo sie immer niedriger wird, bis sie verschwindet. Hinter dem dunklen Granitblock befindet sich eine weiße Wand, ebenfalls aus Granit, von einer Größe von 3m x 3m. Beide Elemente ruhen auf einer gemeinsamen Grundplatte und sind durch ein ewiges Licht in einem Bergkristall verbunden, das nach jüdischem Glauben der Toten gedenkt. Die Granitblöcke symbolisieren die Synagoge und der dunkle Block steht für den Turm, welcher bei der Reichspogromnacht fiel. Sinnbildlich liegt dieser nun vor der Wand. Der Riss steht metaphorisch für eine gewaltsame Zerstörung der Synagoge, aber auch der Familien und deren Leben, die auseinanderbrachen. Die rote Ziegelsteinmauer verdeutlicht die Wunde, die immer noch nicht verheilt ist und blutet. Auf der Rückseite der weißen Wand befindet sich eine hebräische Inschrift, die übersetzt heißt: „Kampf der Söhne des Lichtes gegen die Söhne der Dunkelheit“ Darunter steht in deutscher Sprache: „Dieses Mahnmal erinnert an die Leiden der Spandauer Bürger jüdischen Glaubens während der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten. Unweit dieser Stelle, auf dem Grundstück Lindenufer 12, stand das Jüdische Gotteshaus, das 1938 zerstört wurde.“ Jedes Jahr am 10.November findet am Mahnmal eine Gedenkfeier statt, die von Angehörigen der Jüdischen Gemeinde und auch von Mitgliedern der evangelischen und katholischen Kirche gestaltet wird. Es werden Reden gehalten, ein Kranz wird niedergelegt und der Toten gedacht. Leider wird auch dieses Mahnmal, wie so viele andere, immer wieder mit nationalsozialistischen Parolen und Graffiti beschmiert. Da das Denkmal zum Denken anregen und nicht verunstaltet werden sollte, darf man sich nicht an diese Schmierereien gewöhnen. Stattdessen muss man versuchen mit den Täter(inne)n in Kontakt zu kommen und ihnen nicht ausweichen. Denn auch für Jugendliche gilt: Wenn wir aus der Vergangenheit lernen, können wir unsere Zukunft besser gestalten.
....Zeichen der Erinnerung...
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