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...Rechtsradikalismus nach 1945 ...
Die Nachkriegsprobleme und die Teilung Deutschlands brachten die Rechtsextremisten zu einem neuen Aufschwung. Schließlich, nach ständigem Kraftaufwand, entstand 1964 die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD). Doch nach der Bundestagswahl geriet die Partei in eine große Krise, weil sie zu wenig Wähler hatte. Mitte der 70er Jahre bildeten sich neonazistische Kampfgruppen, wie z.B. die Aktionsfront Nationaler Sozialisten (ANS), die Wehrsportgruppe Hoffmann und die Deutsche Volksunion (DVU). Dennoch sanken die Mitgliederzahlen in der rechten Szene. Massenarbeitslosigkeit, Migrationsbewegungen, Asylproblematik und ein geringes Wirtschaftswachstum bewirkten einen sozialen Wandel. Dadurch bekamen rechtsextreme Zusammenschlüsse neuen Zulauf. Nationalstaaten hatten wegen der wirtschaftlichen und politischen Globalisierung ihre Bedeutung verloren, woraufhin sich die neo-konservative Partei Die Republikaner (REP) herauskristallisierte. Nach dem Mauerfall wurde der Jugendprotest immer stärker und es entstanden hauptsächlich bei Jugendlichen neonazistische Gruppierungen. Vor allem in den Jahren 1991 bis 1994 konnte das Anschwellen rassistischer Gewalt beobachtet werden. Durch zunehmende Straftaten, wie z.B. pogromartige Aktionen gegen Ausländer und Asylbewerber, Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Volksverhetzung, Bedrohung, Brandstiftungen und Propagandadelikte stieg die Zahl rechtsextremer Verbrechen in Deutschland von 2005 auf 2006 laut Verfassungsschutzbericht um 27,5 %. In den letzten zehn Jahren kam die NPD zu neuer Kraft. Auch seit dem Jahr 2000 entstanden immer mehr so genannte Kameradschaften. Heute gibt es über 15 Kameradschaften in Berlin. Vertreten werden die Kameradschaft Germania in Lichtenberg, die Kameradschaft Tor in vielen Gebieten Berlins und die Kameradschaft Nationaler Widerstand in Berlin/Brandenburg, um nur ein paar zu nennen. Durch Symbole auf ihren T-Shirts machen sie sich in der jeweiligen Gruppe erkenntlich und kommunizieren so miteinander. Zum Beispiel steht “88” für den achten Buchstaben des Alphabets als Abkürzung für „Heil Hitler“. Rechtsextreme verständigen sich aber auch durch Telefonmailboxen, Nationale Infotelefone (NIT) wie z.B. Radio Germania und über das Internet. So gibt es das internationale Neonazi-Skinhead-Netzwerk Blood & Honour Brandenburg, das auch einen Versandhandel führt, wo beispielsweise T-Shirts mit ihrem Symbol der Triskele (dreiarmiges Hakenkreuz) verkauft werden. Ihr Wappen trägt das Kürzel B&H in Frakturschrift auf schwarz-weiß-rotem Schild, das sind die alten Farben des Kaiserreichs. Jedoch wurde diese Organisation seit 2000 vom Bundesinnenminister verboten. Heute gibt es auch immer mehr Frauen, die in der rechten Szene aktiv sind. Es entstanden Zusammenschlüsse wie die Gemeinschaft Deutscher Frauen (GDF), der Arbeitskreis Mädelschar und der Mädelring Thüringen, in denen sich die Frauen selber als gute Mutter und Hausfrau darstellen. So ist auch die Sängerin Annett Moeck mit ihrem Album „Eine Mutter klagt an“ bei den Rechtsextremisten sehr bekannt. Rechte Musiker verwenden ihre Musik, um mehr Anhänger zu rekrutieren. Die Texte haben einen radikalen Inhalt, der mit eingängigen Rhythmen unterlegt ist, die sich besonders gut zum Mitgrölen eignen. Die Lieder handeln von Rassismus, Anti- semitismus, Demokratieverachtung, Germanenkult, Kameradschaft und von der Liebe zum eigenen Land. Die Musikrichtungen sind sehr verschieden. So sind Rock, Black Metal, Hardcore, Neofolk, aber auch Balladen vertreten. Hardcore bringt die Stimmungs- und Partymusik, Neofolk ist geprägt von seinen häufigen Marsch- rhythmen und die Balladen handeln von Kriegserinnerungen oder beschreiben ein Familienidyll. Eine bekannte Band aus Berlin ist die Band Landser. Ihre Musik verbreitet sich hauptsächlich in Schulen und Jugendclubs, wo ihre Fans ihr Symbol - ein Schwert auf einem L: Abzeichen der SS-Kavallerie-Division Lützow - beispielsweise auf ihren T-Shirts tragen. Weitere Berliner Bands sind Germania, Eiserne Jungs, Macht und Ehre/Schwarzer Orden, Sturm 5, Weissglut und Kraft durch Froide. “Oi” ist der Begriff des Ende der 70er Jahre konstruierten Straßenpunks. Dieser wird aber auch unpolitisch von nicht rechtsextremen Musikern verwendet. Nicht nur in der Musikszene, sondern auch im Sport finden Rechtsextreme einen Platz. Nationale Fußballspiele nehmen zu, auf denen Rufe wie “Juden raus!” zu hören sind. Hinter alldem steht immer „braunes“ Gedankengut: Rassismus, Hass gegen Ausländer und Andersdenkende und letztendlich der Wunsch nach einem neuen Faschismus.
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